„Long-/Post-Covid“ Kurs
Hoffnung auf Normalität

Handball-Saison wird verlängert – Bremer Teams sehen die Maßnahme des niedersächsischen Verbandes mit gemischten Gefühlen

Bremen. Viele Bremer Handballteams stecken seit dem Re-Start der Saison im Januar in einer Zwickmühle. Spielen sie aktuell weiter, wie es der Handballverband Niedersachsen (HVN) bei den Erwachsenen von der Oberliga bis zur Landesklasse am liebsten sähe, müssen sie möglicherweise auf Spieler verzichten. Auf welche, die pandemiebedingt nicht auflaufen wollen oder können. Verlegen sie ihre Partien, dann steigt für sie der Termindruck im Laufe der Saison mit jedem nachzuholenden Match. Denn es mussten ja schon die im Dezember ausgefallenen Spiele neu terminiert werden. Das führt mittlerweile dazu, dass einige Teams bereits zwei Partien an einem Wochenende oder mehrere Anpfiffe unter der Woche eingeplant haben. Einigen steht sogar beides bevor.

Am vergangenen Wochenende liefen bei den Senioren von 18 Bremer Mannschaften nur die Verbandsliga-Männer des ATSV Habenhausen II zum Punktspiel auf. Beim Rest glühen die Drähte, um neue Spieltermine zu finden. Es sei denn, dass sie das schon längst erledigt haben, weil sie zurzeit nicht spielen möchten.

Jens Schoof, Vizepräsident Spieltechnik im HVN und im Bremer Handballverband (BHV) plädiert hinsichtlich der Terminfindung dafür, „dass wir vor allem in dieser Ausnahmesituation mehr zusammenrücken müssen denn je. Von uns Spieltechnikern und Staffelleitern wird ein Maximum an Flexibilität verlangt, da erwarte ich von den Vereinen, dass auch sie maximale Kreativität zeigen und sich entgegenkommen.“

Die Frauen des TuS Komet Arsten II haben in der Landesklasse einen recht ungewöhnlichen Weg gewählt. Sie haben auf die Austragung sämtlicher Spiele bis Ende Februar verzichtet und holen diese auch nicht nach, was ihnen in der Tabelle 0:8 Punkte einbringt. „In meiner Mannschaft spielen viele A-Jugendliche, die schon bei sich genug Zusatzbelastungen durch die Nachholspiele haben“, klärt der Arster Trainer Torsten Mattfeldt auf. Die Entscheidung sei schweren Herzens in Absprache und zum Wohle der Spielerinnen gefallen.

„Wir hätten gerne seit Januar gespielt“, erzählt Thomas Panitz, Trainer der Landesliga-Männer der SG Bremen-Ost. In seinem Fall hatten jedoch die Gegner einen Verlegungswunsch geäußert und damit den SGBO-Spielwillen ausgebremst. Die jüngste Entscheidung des HVN, der in den Verbandsklassen mit dem Bremer Verband kooperiert, verschafft den Klubs jetzt zumindest etwas Puffer: Er hat das Saisonende in allen Ligen neu terminiert und nach hinten geschoben. Die Ober- und Verbandsligen enden nun am 12. Juni, und damit bis zu zwei Wochen später als ursprünglich geplant. Die Spielserien in den Landesligen und den Landesklassen wurden auf den 29. Mai verlängert.

„Uns hilft das, wir hatten ja kaum noch freie Termine“, atmet Thomas Panitz auf. Beim Team von Andrea Wiegandt, Spielertrainerin des Landesligisten HC Bremen, sieht es anders aus: „Hinten raus haben einige Spielerinnen längst andere Planungen gemacht, wir sind ja schließlich Amateursportlerinnen.“  Ihr Kader besteht zurzeit aus 16 Spielerinnen, von denen zwei langzeitverletzt und zwei Corona-Nachläufer seien. Und da das Coronavirus noch lange nicht aus der Welt ist, befürchtet Wiegandt, dass es noch zu weiteren Spielausfällen kommen könnte. „Ich würde am liebsten nur eine Halbserie oder in Turnierform spielen. Die Hauptsache ist, dass wir weniger Spiele haben“, wünscht sie sich. Dennoch gibt es für sie bei dieser Entscheidung „kein richtig und kein falsch“. Für Thomas Panitz ist „eine volle Saison machbar. Auf- und Absteiger nach nur ein paar Spielen zu ermitteln, ist Mist“, findet er.

Sein Ligarivale Marcel Hägermann, Trainer beim SV Grambke-Oslebshausen,  möchte dagegen in diesen Zeiten am liebsten gar nicht spielen. „Solange aufgrund der Quarantäne-Regelungen längere berufliche Ausfälle drohen, machen Punktspiele für mich keinen Sinn“, sagt er.

Der HVN schränkt die Verlegungsmöglichkeiten von Punktspielen jedoch in Zukunft ein. In den Ober- und Verbandsligen ist das für Partien ab dem 18. Februar nur noch bei mindestens drei Coronafällen innerhalb des Spielerkaders möglich, in den Landesligen und Landesklassen ab März. Aktuell dürfen alle auf der Verbandsebene spielenden Mannschaften ihre Partien unabhängig von einer Corona-Betroffenheit verlegen; der Verlegungswunsch reicht aus. Beim Saisonstart hatte die Regelung gegolten, dass eine Spielverlegung nur dann möglich war, wenn sich mindestens sechs Spieler eines Teams in einer behördlich angeordneten Quarantäne befunden hatten.

Komet-Trainer Torsten Mattfeldt wünscht sich zu guter Letzt eins: „Diese Saison sollte nicht zu lang werden.“ Die Teams bräuchten ja auch noch Möglichkeiten, um den Teamgeist zu stärken, zum Beispiel bei Beachhandballturnieren. „Das ist gerade nach diesen vielen Pausen wichtig, und die nächste Saison steht ja auch wieder vor der Tür“, ergänzt er.

Die soll laut HVN in den Verbandsklassen am 3./4. September (Jugend) beziehungsweise am 10./11. September (Senioren) starten. Der HVN fixiert die Termine aber erst dann endgültig, wenn die laufende Saison abgeschlossen ist.

Geschrieben von Olaf Kowalzik, veröffentlicht im Weser Kurier am 07.02.2022.

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