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Familiensache: Handball beim TuS Komet Arsten ist bei den Theiligs in guten Händen

Seit mehr als vier Jahrzehnten zieht sich der Handballsport wie ein roter Faden durch das Leben von Per Theilig. „Ich bin ein echtes Hallenkind“, bekennt der 49-jährige Ingenieur und Leiter der Handball-Abteilung des TuS Komet Arsten. „Schon meine Eltern waren täglich in der Sporthalle, mein Vater Peter als Trainer und meine Mutter Sigrid als bekannt lautstarke Unterstützerin bei den Spielen“, sagt Theilig. Seine Ehefrau Tanja hat Theilig über „seinen“ Sport kennen und lieben gelernt. 1996 begegneten sie sich bei einem Beachhandball-Turnier auf Norderney, am 11. Mai 2002 schlossen sie den Bund fürs Leben.

1978 begann Per Theilig bei der BTS Neustadt mit dem Handball, sein Vater trainierte ihn und weckte bei ihm die Leidenschaft. „Ich habe mich in verschiedenen Einzelsportarten ausprobiert“, sagt der 49-Jährige, „aber im Mannschaftssport fühle ich mich wohler. Als Team gemeinsam zu gewinnen, ist für mich das Größte.“

Ein Herz fürs Ehrenamt

Später wechselte Per Theilig zum ATSV Habenhausen, über die A-Jugend schaffte es der Linkshänder im Herrenbereich bis in die 3. Liga. „Im Mannschaftssport hat man viele soziale Kontakte, und über das ehrenamtliche Engagement lernt man, den Blick über den Tellerrand hinaus zu werfen“, erläutert der leidenschaftliche Handballer – und fügt hinzu, „dass ich den Großteil meines Freundeskreises über den Handball kennen gelernt habe“. Das sportliche Miteinander sei ihm und Ehefrau Tanja wichtig, beide haben ihren Kindern Lasse (17) und Merle (15) von klein auf die entsprechenden Werte wie Disziplin, Ehrgeiz und Fairness vermittelt. „Man gewinnt und verliert gemeinsam“, haben die Theiligs ihren Sprösslingen mit auf deren Weg gegeben – und ihnen außerdem das ehrenamtliche Engagement vorgelebt.

Auch Tanja Theilig wurde mit etwa acht Jahren vom Reiz des Handballsports erfasst. Bei der TSV Farge-Rekum sammelte die heute 51-Jährige erste Erfahrungen, später wechselte sie zum TuS Walle – Anfang der 1990er-Jahre die Hochburg im deutschen Frauen-­Handball. „Ich wurde von Volker Brüggemann und Hans-Herbert Ludolf gefragt, ob ich nicht dort spielen wolle“, blickt Tanja Theilig gerne auf die Zeit zwischen 1988 und 1991 zurück. „Es war eine absolut tolle Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte“, versichert sie. Gemeinsam mit den damaligen Bremer Handball-Ikonen Marina Basanova, Silke Fittinger und Dagmar Stellberg stieg sie 1990 in die erste Bundesliga auf, holte unter ihrem Mädchennamen Möller den Titel und wurde nach dem Mauerfall im Anschluss an zwei packende Begegnungen mit dem damaligen DDR-Rekordmeister aus Leipzig erste gesamtdeutsche Meisterin.

Nach zahlreichen Verletzungen beendete Tanja Theilig ihre aktive Karriere beim damaligen Zweitligisten TS Woltmershausen und trainiert seit 2004 die Mädchen und Jungen beim TuS Komet Arsten. „Ich habe Raubbau an meinem Körper betrieben“, zeigt sie sich selbstkritisch. Sie sei mehrfach zu früh aus einer Verletzungspause auf „die Platte“ zurückgekehrt. „Ich war einfach immer schon sehr ehrgeizig“, sagt sie.

Ihre Erfahrungen gibt sie nun im Gespann mit Ehemann Per an den Nachwuchs des Vereins weiter. Allerdings fand sie damals beim TuS Arsten, noch vor dessen Fusion mit dem VfB Komet, keine Grundlage für die Jugendarbeit vor. Gemeinsam mit Sandra Gräfe und Marina Albers legte Tanja Theilig bei den Südbremerinnen den Grundstein für eine Nachwuchsabteilung. Heute trainiert die gelernte Groß-und Außenhandelskauffrau zahlreiche Jugendmannschaften und ist zudem Kadertrainerin an der Sportbetonten Schule an der Ronzelenstraße. „Meine Frau ist einfach positiv bekloppt und steht am Tag bis zu sieben Stunden in der Halle“, sagt Per Theilig und nimmt das Engagement seiner Frau schmunzelnd hin.

Ihr Vater sei das ausgleichende Gegengewicht, sagt die 15-jährige Merle. Auch sie sei „ziemlich ehrgeizig“, erklärt die Schülerin der Oberschule in Habenhausen, die sich nach einer schweren Verletzung allerdings geduldiger zeigte. „Nach einem Kreuzbandriss hat sie mit ganz viel Fleiß und großem Willen an ihrem Comeback gearbeitet“, lobt Mama Tanja und hebt die „großartige Unterstützung“ von Physiotherapeut Marco Koschade hervor, der dem TuS Komet Arsten seit vielen Jahren zur Seite steht.

Mittlerweile hat es die Schülerin in die Jugendnationalmannschaft im Beachhandball geschafft – und das, obwohl ihr eine entscheidende Grundlage für den Handball fehlte. „Ich kann nicht so gut werfen“, räumt Merle ein, „also habe ich eben im Tor gespielt.“ Dafür trainiert sie gerne auch mit ihren männlichen Kollegen. Unter Leitung von Torwarttrainer Timo Hermann – er trainiert die männliche Bundesliga-A-Jugend des HC Bremen – legt Merle Theilig zu ihrem regulären Training an zwei Sonnabenden im Monat noch Sonderschichten ein.

Auch der 17-jährige Lasse Theilig war dem Handball zunächst zugetan. Bei den TuS-“Minis“ hatte er begonnen, zeitgleich spielte der angehende Abiturient der Oberschule am Leibnizplatz Fußball. „Letztes Jahr habe ich mit Handball allerdings aufgehört und spiele jetzt mit meinen besten Freunden Tischtennis“, sagt der junge Mann. Auch dabei unterstützt ihn seine Familie. „Schließlich sollen die Kinder das machen, was ihnen am besten gefällt“, sagt Per Theilig. Er ist einverstanden mit der Entscheidung seines Sohnes, der aber trotzdem beim TuS Komet Arsten bleibt. „Weil der Verein einfach wie meine zweite Familie ist“, wie Lasse betont.

„Man sollte alle Menschen gleichermaßen akzeptieren und respektieren“

Herr Theilig, Ihre Familie engagiert sich seit vielen Jahren für und beim TuS Komet Arsten – woher rührt diese Verbundenheit?

Lasse Theilig: Meine Eltern kümmern sich seit vielen Jahren bereits um die Handballabteilung, ich spiele dort nur Tischtennis. Aber trotzdem fühle ich mich dem Verein sehr verbunden. Ich habe 2011 als kleiner Junge unter Trainerin Sandra Gräfe bei den Maxis mit dem Handball begonnen, gleichzeitig aber auch Fußball beim Habenhauser FV gespielt. Dorthin bin ich vor allen Dingen wegen meiner Freunde gegangen.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit den „Kometen“?

Ich erinnere mich besonders an einen Erfolg, an dem ich entscheidenden Anteil hatte: Wir erreichten mit der männlichen D-Jugend den dritten Platz bei der Niedersachsenmeisterschaft in Hannover. Das war ein Handballspiel in eigener Halle, ich weiß nicht mehr gegen wen, da haben wir mit mehr als 20 Toren gewonnen und ich habe gefühlt 20 lange Pässe gespielt. Unser Torwart hielt den Ball, passte zu mir, meine Mitspieler sind nach vorne gelaufen, ich habe den Pass gespielt und meine Kameraden haben die Tore geworfen – und das immer und immer wieder. Das war ein tolles Erlebnis, wir waren ein tolles Team.

Welche Hobbys haben Sie außer Tischtennis?

Am liebsten spiel ich mit meinen Freunden draußen Fußball, aber ich zocke auch gerne mit ihnen an der Play-Station – meistens auch Fußball. Und nachdem mein Kaninchen vor kurzem gestorben ist, wünsche ich mir einen Hund, mit dem ich draußen herumtoben kann.

Welche Werte haben Sie über den Sport und Ihre Eltern vermittelt bekommen?

Dass man nicht mit jedem Menschen unbedingt befreundet sein muss, aber alle Menschen gleichermaßen akzeptieren und respektieren sollte. Außerdem sind Eigeninitiative und Selbstdisziplin sehr wichtig, damit man seine Ziele erreichen kann.

Das Gespräch führte Christian Markwort.

Veröffentlicht im Weser Kurier am 11.02.2021, geschrieben von Christian Markwort.

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