Die Regionalliga-Aufsteigerinnen setzen ihren Höhenflug fort – und haben große Zukunftspläne
Bremen. Bei einem sind sich alle rund um die Regionalliga-Handballfrauen des TuS Komet Arsten einig: „Taco“ ist an allem schuld. Dabei handelt es sich mitnichten um den Fast-Food-Klassiker aus der mexikanischen Küche, vielmehr ist es der Spitzname des damaligen Interims-Abteilungsleiters Marco Koschade, der vor zwei Jahren beharrlich um Thomas Panitz als Trainer-Nachfolger von Malte Rogoll warb. Seine Überzeugungskunst war der Ausgangspunkt des Höhenflugs der Südbremerinnen, die sich zur zweitstärksten Kraft im Bremer Frauenhandball entwickelten – und mit 20:20 Punkten den Klassenerhalt vorzeitig gesichert haben.
Damals hatte Thomas Panitz, von allen nur liebevoll „Panne“ genannt, den ersten Werbeversuch von „Taco“ Koschade jedoch abgelehnt, wie der 52-Jährige heutzutage verrät. War er doch vorher jahrelang nur als Männertrainer unterwegs gewesen. Zum Glück blieb „Taco“ ein, zwei Monate weiter am Ball, bis sich Thomas Panitz das Team bei zwei Punktspielen ansah und eine Trainingseinheit gab. Schon war der gebürtige Rostocker Feuer und Flamme. „Heute bin ich heilfroh, dass „Taco“ so hartnäckig war. Es macht mir mit der Mannschaft unheimlich Spaß, ich bin mit ihr superzufrieden“, sagt Panitz und lacht derart begeistert, dass es ansteckend ist. „Hätte mir jemand vor der Saison die aktuelle Punktzahl angeboten, hätte ich sofort unterschrieben.“ Denn normalerweise muss sich ein Aufsteiger ja erst einmal in der Liga akklimatisieren, um gegen die Platzhirsche bestehen zu können.
Um die Freude von Thomas Panitz nachzuvollziehen, muss man die Zeit um rund zwei Jahre zurückdrehen. Malte Rogoll hatte die Mannschaft damals gerade noch zum Klassenerhalt geführt, als „Panne“ Panitz sie übernahm und das Training als eine seiner ersten Maßnahmen von zwei auf drei Einheiten die Woche erhöhte. Damit führte er die Arsterinnen zur Vizemeisterschaft, dank der sie sich prompt für die Regionalliga qualifizierten. In der gleichnamigen Liga war der Club das letzte Mal in den Spielzeiten 2007 bis 2010 vertreten gewesen. Damals spielte der TuS Komet damit drittklassig, heute ist es die Spitzenklasse des Handballverbandes Niedersachsen-Bremen und eine Etage darunter angesiedelt. Was die Leistung des aktuellen Teams aber nicht schmälern soll.
Das profitiert unter anderem vom starken Jahrgang 2005, der B- und A-Jugend-Bundesliga gespielt hatte. Von dem ist zum Beispiel Merle Theilig im Tor ein wichtiger Baustein, Carla Mattfeld ist im Rückraum mit aktuell 102 Toren die zweitbeste Werferin des Teams. Hinzu kommt mit Jantje Uhlenberg eine ideenreiche Spielmacherin, die zu dieser Saison vom Au-pair aus England zurückgekehrt ist.
Ein besonderes Upgrade bekam der Sechstplatzierte durch den Wechsel der drittligaerfahrenen Linkshänderin Madita Woltemade, die zusammen mit der abwehrstarken Johanna Beuße vom TV Oyten kam. Woltemade ist zweifelsohne der „Königstransfer“ der Bremerinnen, die das Team nicht nur mit ihrer Erfahrung führt. Denn die hauptberufliche Lehrerin an der Arster Grundschule ist mit ihren 127 Treffern zugleich die drittbeste Torschützin der Liga. Zusammen mit der Rechtsaußen Janna Meyer (100 Tore) bildet sie das Filetstück der Abteilung Attacke in Arsten.
Was die Südbremerinnen sonst noch so stark macht? „Wir haben eine der besten Abwehrreihen der Liga“, führt Panitz ins Feld. Die Heimstärke kommt mit hinzu, denn bislang musste sich der TuS Komet in zehn Spielen im eigenen „Wohnzimmer“ lediglich den überlegen führenden Spitzenteams aus Altencelle und Garrel geschlagen geben. Alle anderen Partien gingen an die Panitz-Crew. Warum, das kann sich der Coach selbst nicht erklären. „Vielleicht fühlen sich die Mädels zu Hause sicherer und sind auswärts eher gehemmt.“
Der Handballvorstand ist sowohl mit der Arbeit von Thomas Panitz als auch der des Teams zufrieden. „Die Mannschaft hat sich toll weiterentwickelt“, findet nicht nur das Vorstandsmitglied Torsten Uhlenberg, der im Namen der Abteilung spricht. Um auch das Umfeld noch einen Schritt zu verbessern, hat sich im Januar dieses Jahres „Das Team hinter dem Team“ gegründet, wie sich die zwölfköpfige Gruppe von zupackenden Unterstützern nennt. „Wir wollen die Mannschaft noch mehr in den Fokus bringen und die Halle vollmachen“, erläutert Torsten Uhlenberg einige Ziele.
Das wäre zum einen gut für die Stimmung in der Arena, mehr Publikum könnte aber auch helfen, die Kosten der Liga etwas zu senken. „Denn wenn die Schiedsrichter aus der Region hinter Hannover oder Braunschweig kommen, können wir deren Kosten nicht mit unseren Zuschauereinnahmen decken. Das ist in dieser Saison mehrfach der Fall gewesen“, klärt Uhlenberg auf. Und wenn der eigenen Mannschaft, wie in dieser Saison, eine Bustour zum Auswärtsspiel in Rosdorf bei Göttingen spendiert wird, „ist das mit rund 800 Euro auch ein Kostenfaktor“, betont er.
Künftig soll es, wenn es technisch machbar ist, wieder einen Hallensprecher in der Egon-Kähler-Halle geben. Beim jüngsten 34:21-Heimsieg gegen den Tabellendritten Wilhelmshavener HV lief die Mannschaft außerdem erstmals seit einigen Jahren wieder mit zwei Jugendteams an den Händen ein. Beim letzten Heimspiel der Saison, am 11. April gegen den MTV Rosdorf, soll es wiederum eine Tombola geben.
Veröffentlicht im Weser Kurier am 16.03.2026, geschrieben von Olaf Kowalzik.

